Hallo Christian, danke dass Du Zeit für das kurze Interview hast. Erzähl uns kurz, was ist imedo?
imedo.de haben wir im Frühjahr 2007 gestartet. Inzwischen sind wir zu einer der größten deutschen Gesundheitscommunities gewachsen und verzeichnen täglich starken Zuwachs. Das Angebot richtet sich an alle Gesundheitsinteressierte, Ärzte und Selbsthilfegruppen, die ihre Erfahrungen austauschen und sich über ihre Gesundheit informieren möchten. Parallel zur Community bieten wir die Möglichkeit der Arztempfehlung an, die in Abgrenzung zu ähnlichen Empfehlungswebsites bei imedo besonders sicher ist. Zusätzlich bieten wir seit neuestem mit den gesundheitsnews.imedo.de einen weiteren Informationsservice für unsere Mitglieder an.
Wer sind die Gründer und wie seid ihr dazu gekommen? Wer ist investiert?
Die vier Gründer von imedo sind ehem. Jura-Student Christian Lautner, ehem. Bioinformatik-Student Thomas Kadauke, Wirtschaftsinformatiker Hendrik Volkmer und ehem. Wirtschaftsstudent Christian Angele.
Die Entscheidung imedo zu starten war ein zweistufiger Prozess: 1. Erfahrungen im eigenen Umfeld, die gezeigt haben wie notwendig eine Plattform ist, in der ich mich mit anderen Betroffenen austauschen kann (d.h. der Arzt macht die Diagnose, imedo hilft in Alltagssachen, z. B. kann ein Arzt mein Kind mit Diabetes diagnostizieren, den schwierigen Alltag muss ich dann alleine bewältigen - hier greift imedo.de), und 2. die Betrachtung des Marktes, bei der wir festgestellt haben, dass es in Deutschland etwas derartiges noch nicht gibt, in den USA aber schon funktioniert. D.h. die Schritte waren: 1. Gibt es Bedarf? 2. Kann es funktionieren? Auf beide Fragen können wir nun mit Ja antworten. Investiert sind u.a. Carlos Bhola, Michael Brehm (StudiVZ), Kai Bolik (GameDuell), Lukasz Gadowski (Spreadshirt), Ron Hillmann, Oliver Jung, Christian Vollmann (myvideo.de)

In Zeiten, wo Social Networks oder Mobile Apps der Hype sind, was ist das spannende an Eurem Markt?
StudiVZ oder OpenBC/Xing zeigen wie wichtig Social Networks heute für die Kontaktpflege und den Informationsaustausch im Privatleben oder im Business sind. Hier setzt imedo an und unterstützt durch die Communityfunktion den Wunsch vieler Patienten nach einem aktiven Wissensaustausch mit anderen Betroffenen. Leider ist es oft noch so, dass der Arzt einem die Fachtermini erklärt, der Erkrankte dann aber mit der Situation im Alltag oft sich selbst überlassen bleibt. Sehr spannend ist nun die Entwicklung weg von dieser reaktiven Behandlung der (akuten) Krankheitssymptome hin zu einem selbstbestimmten und aktiven Gesundheitsmanagement. Der Gesundheitsmarkt in Deutschland wird in den nächsten Jahren wesentlich transparenter werden und durchaus auch professioneller auf dem Patienten-Level. Patienten werden mehr Möglichkeiten erhalten Ihre Gesundheit in den Griff zu bekommen.
Erzähl uns von Euren Verhandlungen mit Business Angels und VCs. Wie ist das alles gelaufen?
Der Ablauf von Verhandlungen ist sehr wichtig, weil man hier sehr gut sehen kann, ob man gut zusammenpasst oder ob es sich hier vielleicht um eine „Beziehung“ handelt, die man besser nicht eingehen sollte. Unsere Business Angel und VC-Geber haben ein ähnliches Profil wie wir selbst. Wir glauben sehr stark an den Markt, vergessen dabei aber nicht unsere Zahlen und genau definierten Ziele. Eine Mischung aus Leidenschaft und Analytik ist unsere Zauberformel. Die Verhandlungen verliefen recht gut, auch wenn man immer wieder an Punkte stößt, die kritisch sind, so sind es genau diese kritischen Punkte, die zeigen, ob man wirklich zusammenpasst.
Lukasz Gadowski und viele weitere Business Angel aus seinem Netzwerk haben schon sehr früh investiert und uns von Anfang an mit „smart money“ versorgt. Ich habe eine ganz klare Meinung zum Thema Finanzierung – „money“ alleine, egal wie erfahren man ist, ist nicht die optimale Lösung. Öft höre ich von Finanzierungen, die von Business Angel außerhalb der eigenen Branche durchgeführt werden. Das kann natürlich auch funktionieren, ist aber dann einen Tick schwerer, weil Branchen Know-how sehr wichtig ist.
Welche Tipps kannst Du anderen Gründern in einer ähnlichen Situation geben? Was würdet ihr das nächste Mal anders machen?
Um die Finanzierung sicher auf die Beine zu stellen sollte man ca. sechs intensive Monate einplanen. Man braucht ca. einen Monat um intensive Kontakte aufzubauen, um den Executive Summary auf die Schreibtische der Venture Capital-Geber dieser Welt zu bekommen. Nach einer kurzen Analyse Phase (i.d.R. zwei bis drei Wochen) bekommt man dann hoffentlich die ersten Einladungen. In der Regel wird man von ein bis zwei Analysten empfangen. Sie sind die „Gatekeeper“ und entscheiden nach 90 Minuten Präsentation, ob der Business Plan einem entscheidungsbefugten Germium vorstellt werden darf. Hier muss man drei bis vier Wochen warten bis man einen Termin bekommt. Die Entscheidung fällt dann aber sehr schnell. Teilweise wird noch ein sog. Letter of Intent unterzeichnet, der den Beginn von Vorverhandlungen für beide Seiten schriftlich festhält. Es schließen sich Term sheet Verhandlungen und Vertragsverhandlungen an, die die Inhalte des Term sheets in eine Form bringen, die vor dem Notar unterzeichnet wird.
Meine Tipps: mit möglichst vielen VC’s über den Business Plan sprechen. Nach jeder Präsentation und jedem Gespräch kann man seine Präsentation verfeinern und nicht bedachte Fragestellungen beantworten bevor Sie zur Sprache kommen und man schlecht vorbereitet darauf antworten muss. Es gibt bei VC Verhandlungen, wie bei fast allen Verhandlungen auch, so etwas wie ein Momentum. Je mehr Verhandlungen man parallel durchführt, umso mehr Schwung kommt in jede einzelne Verhandlung. Noch ein interessantes aber teilweise nicht ganz ernst zu nehmenes Video findet man hier http://www.techcrunch.com/2007/07/14/how-to-raise-money-from-vcs/
Wir bieten übrigens auch ein besonderes Praktikum an, unser sog „Unternehmer-Praktikum“ - hier können gründungs-affine Studenten / High Professionals bei uns ihre Fähigkeiten einsetzen und von der Dynamik und unsere Erfahrungen im Startup-Bereich profitieren. Mehr dazu hier http://www.imedo.de/jobs/show/3291-senior-business-developer-m-w
Was sind gute weblinks, wo sich Gründer informieren können?
Wie geht es bei Euch jetzt weiter?
Hier passt ein Zitat meines Partners Christian Lautner sehr gut: „Ich denke, wir sind auf dem Weg mit imedo etwas ganz Großes aufzubauen. Der Gesundheitsmarkt wird sich demographisch und technologisch bedingt in den nächsten Jahren stark verändern. Das Internet wird als für allen Patienten zugängliche Ressource diesen Bereich wesentlich transparenter machen, als er heute schon ist und imedo wird die Hauptkommunikationsplattform und das am häufigsten genutzte Informationsportal im deutschsprachigen Gesundheitssektor sein. Wir entwickeln momentan an vielen Features, die den Alltag von kranken und gesunden Menschen entscheidend verbessern werden.“
Christian, vielen Dank für das Interview.
Veröffentlicht auf squeaker.net