Rauchen als Krankheit anerkennen?
16. September 2008imedoGesundheit & Medizin
Die Bundesärztekammer hat gefordert, dass Rauchen ebenso wie Alkoholismus als Suchterkrankung anerkannt wird. Wenn sie sich durchsetzen könnte, würden zukünftig Raucherent-wöhnungen von den Krankenkassen bezahlt werden und die Diskussion um Lungenkrebsbehandlungen wäre hinfällig. Denn bei einem Alkoholiker würde ja auch niemand ernsthaft die Notwendigkeit einer neuen Leber in Frage stellen, wenn er seine erste mit Alkohol ruiniert hat.
Erste Gegenstimmen
Die ersten Gegenstimmen werden laut. Wen wundert’s: aus den Reihen der Kassen. Diese argumentieren, dass sie bereits viel Geld für Gesundheits-Checks und für Spezialprogramme zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes ausgeben. Was das genau mit der Anerkennung von Rauchen als Sucht zu tun hat, war nicht erkennbar.
Genussraucher vs. Kettenraucher
Seit 1968 gilt Alkoholismus als Krankheit, seit 1983 sogar als “nicht selbst verschuldete” Krankheit. Mir stellt sich die Frage, warum Alkoholismus, bei dem ja anfangs auch jeder die Wahl hat “Trinken oder nicht”, so anders gestellt ist als Rauchen, wo diese Wahl genauso steht. Ein Argument der Gegner ist die Frage, wie man einen Genussraucher von einem Kettenraucher unterscheiden wolle. Wie unterscheidet man denn einen Genusstrinker von einem Suchttrinker? Irgendjemand hat sich mal die Mühe gemacht, das zu definieren. Warum sollte sich jetzt nicht jemand finden, der eine Definition für die Unterscheidung von Rauchern erarbeitet?
2 Kommentare »

sandra on 17 Sep 2008 at 10:06 #
ich befürworte die Bundesärztekammer, denn ja - es ist eine Suchtkrankheit. Und weil unsere Gesellschaft erlaubt, dass wir suchtkrank werden, sollte sie auch für Folgen dieser Krankheit durch Zahlungen von Krankenkassen aufkommen.
Aber ich sehe schon kommen, dass Krankenkassen dann ihre Beitragszahler splitten in “Raucher” und “‘Nichtraucher” - Raucher werden stärker zur Kasse gebeten…
Wir werden sehen.
Juliane Weuffen on 21 Sep 2008 at 15:37 #
Nunja, Alkoholiker zahlen auch nicht mehr ein als Nichtalkoholiker. Ich denke, das wäre ein positiver Nebeneffekt der Diskussion um Rauchen als Suchtkrankheit. Dass die ewige Diskussion darum, ob Raucher mehr zahlen sollen als Nichtraucher, weil sie sich selbstbestimmt kaputtmachen, aufhört. Ein trinker macht sich auch selbstbestimmt kaputt und niemand käme auf die Idee, ihm mehr abzuknöpfen, nur weil er trinkt, oder?