Ist Spielsucht eine Krankheit?

Dieser Beitrag ist unserem ehemaligen Community Manager gewidmet, der sich vor kurzer Zeit beruflich neu orientiert hat (an dieser Stelle einen ganz lieben Gruß an dich, Sebastian). Vor seinem Abschied hat er folgenden Blog-Beitrag verfasst, den ich unseren Lesern nicht vorenthalten möchte, da ich das Thema sehr interessant finde. Es geht um Spielabhängigkeit im Hinblick auf das Glücksspiel.

Ist Spielsucht eine Krankheit?

Wie man schon an der Bezeichnung dieser eventuellen Krankheit erkennen kann, handelt es sich bei der Spielsucht um eine Abhängigkeit. Das Wort “Sucht” wird heute noch oft gebraucht, aber bereits im Jahre 1964 wurde es von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch die Begriffe “Abhängigkeit” und “Missbrauch” ersetzt.

Grundsätzlich kann man Abhängigkeiten grob in zwei Gruppen unterteilen. Zum einen gibt es da die stoffgebundene Abhäbgigkeit, wie zum Beispiel Alkohol-, Nikotin- oder Heroinabhängigkeit, auf der anderen Seite haben wir die nicht-stoffgebundene Abhängigkeit, wie zum Beispiel beim Arbeiten, Kaufen, Spielen oder gar bei der Sexualität. Im Grunde kann jedes menschliche Interesse zur Sucht werden.

Das zwanghafte Spielen, auch Pathologisches Spielen genannt und umgangssprachlich als “Spielsucht” bekannt, zählt demnach aus medizinischer Sicht als Krankheit. Allein in Deutschland gibt es etwa 200.000 Betroffene – häufiger Männer als Frauen.

Die Karriereleiter der Spielsüchtigen

Bei der klassischen Abhängigkeit in Bezug auf das Glücksspiel gibt es drei Bereiche der sogenannten “Karriere”:

  • In der Gewinnphase spielt der Betroffene gelegentlich. Gewinne halten den Spieler bei der Stange und vermitteln ein positives Gefühl, vor allem vor und während des Spiels. Aus diesem Gefühl heraus verringern sich die Abstände zwischen den einzelnen Sitzungen und auch die Einsätze steigen deutlich an. Die Risikobereitschaft erfährt einen deutlichen Aufschwung.
  • Die Verlustphase ist durch die Unfähigkeit, dem Spiel zu wiederstehen, geprägt. Mit Gewinnen wird angegeben, Verluste werden nicht weiter beachtet. Die Gedanken des Betroffenen drehen sich nun auch häufiger um das Glücksspiel, es wird verheimlicht und gelogen, wenn unangenehme Fragen gestellt werden. Schon bald werden erste Schulden durch die Aufnahme von Krediten gemacht, um die größeren Gewinne auszugleichen.
  • In der letzten Phase, der Verzweiflungsphase, greift der Betroffene gerne auch zu weniger gesetzlichen Geldbeschaffungsmethoden. Auch ist eine deutliche Veränderung der Persönlichkeit erkennbar: so ist man reizbarer, ruhelos und leidet auch unter Schlafstörungen. Nicht selten ziehen sich die Betroffenen aus ihrem gewohnten gesellschaftlichen Umfeld zurück und entfremden sich von der Familie und den Freunden. Nicht zuletzt endet dies in Hoffnungslosigkeit, Gewissensbissen und Panikreaktionen.

Methoden der Heilung

Wie viele Krankheiten, ist auch die Spielabhängigkeit durchaus zu “heilen”. Dazu ist aber eine Therapie notwendig und auch die Hilfestellung zur Schuldenregulierung wirkt sich positiv auf den Prozess aus. Auf jeden Fall sollte der oder die Betroffene eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. Die Anonymen Spieler sind hier die richtige Anlaufstelle.

In eigener Sache

Sebastian verließ uns mit den spielerischen Worten: “Wie das Leben so spielt, werde ich wieder in den Markt wechseln, aus dem ich ursprünglich komme, den Markt der Spiele.” (Gemeint ist hierbei allerdings die virtuelle Realität). Nach diesem Blog-Beitrag mache ich mir jedoch keine Sorgen, dass unser Community-Freund in den Bann der Spielsucht getrieben werden könnte – denn er ist eindeutig aufgeklärt genug ;-)

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Spielen und viel Erfolg für deine berufliche Zukunft, lieber Sebastian!

2 Antworten

  1. Sebastian (Tanis) am 10. September 2008 um 01:42 #

    Hey Runa, das ist ja schön. Stimmt da war ja noch ein Text! Freue mich dass er nun seinen Weg durch Dich auf den imedo-Blog gefunden hat. Hoffe es geht euch allen gut und man sieht sich wieder mal. :)

  2. Weltwahnsinn am 11. September 2008 um 16:59 #

    Du hast ja jetzt Deiner Spielsucht voll nachgegeben! Ob das so gesund ist? ;-) Aber Spaß macht es und das ist ja bekanntlich die Hauptsache!

Trackback URI | Kommentar RSS

Beitrag kommentieren

Kommentarrichtlinien