Paralympics 2008 in Peking – schon mitgekriegt?!

Sport verbindet!

Nachdem die olympischen Spiele in Peking vorbei sind und Deutschland mit 16 Gold-, 10 Silber- und 15 Bronzemedaillen wieder nach Hause gekommen ist, gibt es ab heute einen ganz besonderen internationalen Wettbewerb. Die Paralympics, also die Olympiade für Sportler mit körperlichen Behinderungen, finden immer drei Wochen nach den Olympischen Spielen im selben Land statt. Dabei setzte sich das Wort ursprünglich aus dem englischen Wort für gelähmt (paraplegic) zusammen, heute jedoch verwendet man die griechische Bedeutung von neben (para). Die Geschichte der Paralympics geht bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück, als Sir Ludwig Guttmann behinderte wie nicht behinderte Sportler bei den Olympischen Spielen erstmals vereinte. Bis 1984 fanden die Spiele alle vier Jahre gleichzeitig statt, bis das Olympische Komitee von Los Angeles sich gegen die “International Games for Disabled” aussprach.

Leichtathletik im Rollstuhl

Neben bekannten paralympischen Sportarten wie Rollstuhl-Basketball oder Sitz-Volleyball kann der Zuschauer sich auch auf Fechten und Rollstuhl-Tennis freuen. Dort vertritt die 18jährige Katharina Krüger Deutschland, als Landesbeste und 14. der Weltrangliste. Wer sich einmal ein Tennisspiel angesehen hat, wird sich schwer vorstellen können, dass man im Rollstuhl diesen Sport überhaupt ausüben kann. Das ZDF berichtete am 29.08.2008 über die junge Berlinerin im Morgenmagazin. Sie ist die einzige Tennisspielerin im deutschen Kader, während in Sportarten wie Schwimmen, Sportschießen oder Tischtennis einige mehr Vertreter in Peking dabei sein werden.

Bayer als Förderer des Behindertensports in Deutschland

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist Fussball-Freunden aus der Bundesliga bekannt, in der die Elf aus Leverkusen das Logo des 1863 gegründeten Unternehmens auf der Brust trägt. Doch auch im Behindertensport setzt sich Bayer für die Sportler ein und fördert die Entwicklung sowie Veranstaltungen…

Das hätten Sie alles nicht gewusst? Tja, es wird eben viel zu wenig über den Behindertensport berichtet. Es ist vergleichbar mit Frauenfussball. Auf dem Papier sind die deutschen Damen wesentlich erfolgreicher als die Herren, die heute ein glattes 6:0 gegen Liechtenstein gespielt haben (Herzlichen Glückwunsch!). Aber auch der Frauensport hat in den Medien noch nicht das Ansehen, das Klose, Gomez & Co. seit Anbeginn der medialen Berichterstattung genießen. Auch Tine von welcometomyfuture.de hat das Thema aufgegriffen, bin also nicht die einzige, die was von Paralympics gehört hat.

Sport macht (noch) nicht gleich

Das Olympische Komitee des Ausrichterlandes hat viel zu tun im Jahr vor den Spielen, sehr viel. Doch sollte auch dafür gesorgt sein, dass die Berichterstattung aller Sportler in vergleichbarem Maße stattfindet. Denn Berichterstattung ist gleichzusetzen mit Wertschätzung. Ein Sportler, der es schafft, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, tritt nicht nur für sich an, sondern vor allem für sein Land. Nicht umsonst ziehen nur die besten des Landes los, um Medaillen und Ruhm (und Taschengeld) zu erkämpfen. Kampf ist hier das richtige Wort, man darf den militärischen Ursprung des Wortes Wettkampf auch so verstehen.

Medien und ihre Verantwortung

Noch hat kein Wettkampf stattgefunden, heute Abend wurden in Peking die Spiele eröffnet. Gehörlose Ballett-Tänzerinnen tanzten zu Musik, die sie noch nie gehört haben, die sich lediglich an den Schwingungen aus den Lautsprechern orientieren können. Ein kleines Mädchen, das vor wenigen Monaten ein Bein verlor, tanzte in ihrem Rollstuhl. Und sie strahlte vor Freude. Wir werden sehen, wieviel Wertschätzung die Medien den Paralympics entgegenbringen werden. Denn nur was gesendet wird, kann gesehen werden.

Ich hoffe, dass sich sowohl Medien als auch Menschen über die Wichtigkeit der Paralympics und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung bewusst werden und auch die kommenden Tage öfter mal in die Kiste gucken, um junge, leidenschaftliche Sportler beim Wettkampf zu begleiten, sich mit ihnen über ihre Siege zu freuen, damit der Sport behinderte wie nicht behinderte Menschen wieder verbindet.

imedo wünscht an dieser Stelle dem gesamten deutschen Team viel Glück und allen Sportlern den verdienten Sieg!

Trackback URI | Kommentar RSS

Beitrag kommentieren

Kommentarrichtlinien