Der schlechteste Saxophonspieler der Welt…

…ja es gibt ihn wirklich. Und ich habe ihn entdeckt.

Es ist ein leicht beleibter Mann um die 50 mit einem dicken Schnurbart und einem unüberhörbaren Phlegma, das er hingebungsvoll in seine instrumentalen Darbietungen integriert. Er steht tagtäglich im Park vor dem Roten Rathaus hier in Berlin und dudelt ständig dieselben Tonleitern und Läufe in seinen Metallhaken. Ja, er ist wirklich nicht einfach zu ertragen, wie er seine unzähligen Schnörkel ständig an den unpassendsten Stellen in seine Musik hineinwebt.

Aber ich lerne von ihm, und das an jedem neuen Tag

Ich lerne von ihm, dass das Leben aus Vielfalt besteht und die ständige Abwechslung nicht nur sucht, sondern auch benötigt. Sobald diese fehlt, wird alles zu einer einzigen Quälerei, genauso, wie das sich ständig wiederholende Zeugnis seiner fehlenden Kreativität. Er beweist mir tagtäglich aufs Neue, das zehn Minuten Flachgedudel im Park jede chinesische Wasserfolter in den Schatten stellen können und impliziert damit zugleich den Gegenbeweis, dass selbst kleinste kreative Veränderungen ausreichen können, um eine eintönige Welt in ein leuchtendes Farbenmeer zu verwandeln.

6 Antworten

  1. Weltwahnsinn am 20. August 2008 um 15:42 #

    Es ist furchtbar, wenn die Straßenmusikanten so richtig zeigen, wie gelangweilt sie vom eigenen Spiel sind… Warum sollten wir Passanten dann noch Geld geben? Mein MP3-Player ist mir da doch lieber ;-)

  2. Marion-seepferdchen am 20. August 2008 um 16:44 #

    Wie bescheiden….lach…Aber Bescheidenheit soll ja eine grosse Tugend sein..
    Wenn ich da an die Wasserfälle in China denke diese Farbenpracht diese Musik diese Grösse da frage ich mich welche kleine Bescheidenheit fehlt denn da jetzt um die eintönigkeit aufzuheben…

  3. S-Bahn-Nutzer am 21. August 2008 um 17:23 #

    Mir ist selbstgemachte Musik allemal lieber als der Lärm, den manche Leute über Ihre Mobiltelefone oder sonstige Tonträgerabspielgeräte erzeugen. Das gilt im Übrigen auch für zu laut gestellte MP3-Player etc., die über Ohrstöpsel verfügen. Und zum Glück sind wir noch nicht so tief gesunken, daß sich die Straßenmusikanten mit einem Hut hinsetzen und Ihr Handy aufdrehen.

  4. Jürgen Apitzsch am 25. August 2008 um 14:32 #

    Nachtrag zum Saxophonspieler

    Er kanns ja doch!

    Im Vergleich zum letzten Mal haben sich seine Darbietungen merklich verbessert. Das bräsige Gedudel ist einem aufgelockerten, nuancierten und swingendem Spiel gewichen. Man spürt irgendwie, dass er sich jetzt mehr Mühe gibt und nicht mehr so in sein Instrument hinein nuschelt wie sonst. Lieber Saxophonspieler, ich habe Dir wohl bitteres Unrecht angetan und entschuldige mich dafür. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass man als BloggerIn das Privileg genießt, hemmungslos übertreiben zu dürfen, damit das Ganze mehr Spaß macht. Weiter so :)

  5. Marion-seepferdchen am 26. August 2008 um 16:02 #

    Der hat mich verstanden…smile…

  6. Marion-seepferdchen am 29. August 2008 um 13:08 #

    Da hat doch wer Ahnung vom bloggerln..dacht ich wäre nur so schlau smile..
    aber schön das der Saxophonspieler dann doch sein wahres Gesicht wieder bekam..er wird es dir danken !

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