Internistenkongress 2008 in Wiesbaden

Internistenkongress 2008 in Wiesbaden

Der 114. Kongress für Innere Medizin in Wiesbaden gilt unter Fachärzten als perfekte Möglichkeit zur Weiterbildung und Kontaktbildung unter Kollegen. So wurde der Kongress bis heute von ca. 8.000 Ärzten besucht, welche sich auf zahlreichen Symposien oder auf die umfangreiche Industrieausstellung verteilten.

Natürlich waren auch wir vom Gesundheitsportal vor Ort um neue Kontakte zu knüpfen und Entwicklungen innerhalb der Gesundheitsbranche zu beobachten.

Drei Tage lang besuchte ich den Kongress und konnte vorallem von ärztlicher Seite viel Feedback zu imedo.de sammeln.

In einem persönlichem Gespräch mit einem Arzt (Name darf nicht genannt werden ) konnte ich z.b. erfahren, dass die Ärzteschaft nicht grundsätzlich feindlich den Entwicklungen im Internet gegenübersteht, jedoch fühlt sich die Ärzteschaft unter anderem durch einige Portale die Arztbewertungen + Kommentare zulassen stark unter Druck gesetzt.
So gab der Arzt nochmals schwer zu bedenken das diese Entwicklung keineswegs positiv sei, da kein Patient von sich aus behaupten könne vollkommen objektiv zu urteilen.
Im späteren Verlauf gab der Arzt weitere interessante Informationen, so stellte er auch klar das es unter der Ärzteschaft tatsächlich viele "gierige" Ärzte gäbe, jedoch diese Gier nur ein Produkt der schlechten Bezahlung von Seiten des Staates sei.
Generell äußerte sich der Arzt sehr ungehalten darüber das er von so vielen Seiten das Gefühl vermittelt zu bekommen seine Arbeit nicht richtig zu machen.
Kritisch beurteilte der Arzt die derzeitige Entwicklung bei Patienten oft Halbwahrheiten aus dem Internet als Wissen zu übernehmen und gab zu bedenken das manche Pharmafirma sicherlich auch Erfahrungsberichte schreiben lässt und man bei einer Website lieber doch nochmal ins Impressum schauen sollte.

In weiteren Einzelgesprächen unter anderem mit Vertretern der Industrie und Selbsthilfegruppen wurde einmal mehr deutlich wie intransparent und verworren das derzeitige Gesundheitssystem ist. So wurde vorallem auch von Seiten der Industrie immer wieder betont das manche Ärzte schlicht keine Ahnung hätten und sich gern alles erzählen lassen hauptsache sie hätten damit keinen Ärger.
In die gleiche Richtung schlugen die Kommentare von Seiten der Selbsthilfegruppen, die stark betonten wie abhängig die Ärzte von der Industrie als Informationsquelle seien.

Nachdem besuch einiger Symposien wurde auch uns klar das hier teilweise sehr subtile Werbetricks angewendet werden. So wurden z.b. bei wichtigen Symposien (welche ausschließlich von der Industrie gesponsert werden) immer wieder nur einzelne Produkte beworben und in diesem Zusammenhang auch gezielt Firmen genannt.

Sogar das große Dreiländertreffen wurde teilweise als Werbeplattform missbraucht indem dort gezielt Produkte genannt worden und dies mehrmals hintereinander.

All dies lässt nur ein kritisches Fazit zu.

Der Kongress an sich ist gut strukturiert und gut durchgeführt, sogar die an sich "kleinen" Selbsthilfegruppen sind direkt am Eingang positioniert, was bei medizinischen Kongressen eher die Außnahme ist. Jedoch ist auch klar das der Kongress stark unter industriellem Einfluss steht.

Noch eine sehr interessante Perspektive eines Industrie-Vertreters:

"Durch das Heilmittelwerbegesetz wird in Deutschland künstlich eine schlechte Stimmung geschaffen, denn:natürlich versucht die Industrie ihre Produkte zu verkaufen und natürlich bewirbt die Industrie dazu auch ihre Produkte. Jedoch muss sie es aufgrund des Heilmittelwerbegesetzes auf eine subtile unterschwellige Art tun, was dazu führt, dass die Industrie als "böser Abzocker" dasteht. Ein offenerer Umgang mit Werbung - und damit ein Umgang in gelenkten Bahnen - wäre für den medizinischen Bereich druchaus sinnvoll."

Hierzu noch ein kleiner Verweis auf ein Gerichtsurteil, welches Pharmaunternehmen untersagt Werbegeschenke an Ärzte auszugeben.

Ich möchte dies erstmal unkommentiert stehen lassen und freue mich auf eine Diskussion zu dieser Perspektive!

Euer Thomas Hertkorn

 

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